DER DIGITALE PRODUKTPASS: DATEN ÜBER DEN GESAMTEN LEBENSZYKLUS HINWEG VERFOLGEN

25. Februar 2021

Wie werden anonyme Waren zu vertrauenswürdigen Produkten? Eine Frage, die viele Unternehmen vor Probleme stellt, fehlt es ihnen doch an validen Daten zu ihren Produkten. Genau an dieser Stelle kommt der Digitale Produktpass (DPP) zum Einsatz: Diese digitale Repräsentation eines physischen Produkts speichert alle relevanten Informationen – von der Produktion, über die Nutzung bis hin zum Recycling. Wie die Nutzung eines Digitalen Produktpasses bestehende Prozesse optimieren kann und warum vor allem Produkte mit langer Lebensdauer davon profitieren, zeigt die Immobilienwirtschaft.

Im März 2020 hat die Bundesregierung die Umweltpolitische Digitalagenda vorgestellt, um „die Digitalisierung in den Dienst von Umwelt, Klima und Natur zu stellen“ und so die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu unterstützen. Zu den geplanten Maßnahmen zählt auch die Einführung eines Digitalen Produktpasses: Dieser soll auflisten, welche Materialien ein Produkt enthält, ob es umweltfreundlich produziert wurde, wo passende Ersatzteile zu finden sind und welche Reparaturmöglichkeiten es gibt, heißt es von Seiten der Bundesregierung. Der Digitalverband Bitkom begrüßt in einer Stellungnahme die Umweltpolitische Digitalagenda, regt aber gleichzeitig an, dass die Entwicklung eines funktionierenden Produktpasses nur in enger Abstimmung mit der Industrie gelingen kann.

 

 

Doch die Industrie ist davon noch weit entfernt, werden heutzutage meist alle Daten entlang des Produktlebenszyklus in den (IT-) Systemen der jeweiligen Partner gespeichert. Im Falle der Produktion entlang einer Lieferkette bedeutet das, dass jeder Akteur immer nur die Daten nutzen kann, die ihm der Vorgänger zur Verfügung gestellt hat – eine Ende-zu-Ende Dateneinsicht ist nicht möglich. Um das Problem anzugehen, erscheint die Nutzung zentraler Plattformen zunächst naheliegend: Auf diesen Plattformen werden alle Daten zum Produkt zentral gespeichert und können von allen Akteuren verändert werden. Dieser Ansatz wirft allerdings mit Blick auf mögliche Datenmanipulationen und entstehende Abhängigkeiten von zentralen Plattformen mehr neue Probleme auf, als dass er Lösungen bietet.

Und genau an diesem Punkt setzt der Digitale Produktpass auf Basis dezentraler Identitätstechnologie an: Durch einen sogenannten Identifier (DID) lässt sich ein Produkt eindeutig identifizieren. Außerdem besteht der Produktpass aus vielen Daten, die im Laufe des Produktlebens von unterschiedlichen Akteuren gesammelt werden. Diese Daten können entweder nur für einen Akteur, für bestimmte Personen oder für alle sichtbar sein. In allen drei Fällen können sie aber immer eindeutig dem Produkt zugeordnet werden. Die Blockchain-Technologie stellt dabei die Unveränderbarkeit dieser Daten sicher – so können die Daten zwischen verschiedenen Akteuren ausgetauscht werden, wobei der Empfänger sich auf die Echtheit der Daten verlassen kann.

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DER DIGITALE PRODUKTPASS IN DER IMMOBILIENWIRTSCHAFT

Dass es seitens Industrie einen dringenden Bedarf für digitale Prozessoptimierungen gibt, zeigt die Immobilienwirtschaft – sie soll für rund ein Drittel des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes verantwortlich sein. Die Branche leidet seit vielen Jahren an einem Transparenzproblem, vor allem wenn es um die scheinbar simple Frage geht, welche Materialien in einem Gebäude verbaut sind. Verschiedene Auswirkungen dieser Intransparenz zeigen sich in:

1. Steigenden Risiken durch die Nichterfüllung von regulatorischen Vorgaben, vor allem mit Blick auf ESG-Reportings und das deutsche Lieferkettengesetz,

2. Steigenden Kosten durch das manuelle Aggregieren von Lieferantendaten,

3. Der Wertminderung von Immobilien durch fehlende Nachhaltigkeitsstandards bei Materialbeschaffung und Bau.

Hier kann der Digitale Produktpass mehr Transparenz in die Beschaffung, die verschiedenen Bauphasen, den Betrieb von Immobilien sowie den Abriss und die anschließende Materialverwertung bringen. Damit lässt sich die gesamte Real-Estate-Branche deutlich nachhaltiger gestalten – die erhobenen Daten können außerdem genutzt werden, um Emissionen zu reduzieren.

Doch wie funktioniert das im Detail? Eine zentrale Rolle spielt dabei der bereits angesprochene Decentralized Identifier (DID), der eine Immobilie eindeutig einem Besitzer zuordnet – er bietet die Grundlage für die fälschungssichere Datenspeicherung. Im Digitalen Produktpass werden alle Daten zu einem Gebäude über den gesamten Lebenszyklus hinweg gespeichert. Das umfasst Lieferketteninformationen zu Rohmaterialien, Bauteilen und Gebäudeteilen, aber auch Informationen zu Finanzierung, Versicherung, Nutzung, Sanierung und zum Abriss des Gebäudes. So kann zwischen allen Akteuren, die in den Bau, die Nutzung oder den Abriss einer Immobilie involviert sind, ein Ende-zu-Ende Datenaustausch gewährleistet werden. Auf dieser Basis kann neben der Materialbeschaffung zum Beispiel auch der Energiebedarf einer Immobilie genau bestimmt und als Folge die Energiezufuhr angepasst werden. So lässt sich an verschiedenen Stellen des Lebenszyklus durch datenbasierte Optimierungen der Emissionsausstoß deutlich reduzieren. Beim Verkauf einer Immobilie bekommt der neue Besitzer Zugriff auf den Produktpass der Immobilie und reichert diesen durch neue relevante Informationen weiter an. Die dezentrale Speicherung beugt dabei Manipulationen an den Daten vor, die im Digitalen Produktpass hinterlegt sind.

DIGITALER PRODUKTPASS MIT TRUST&TRACE

Für die einfache und sichere Nutzung einer solchen Digitalen Identität haben wir die Cloud-Lösung TRUST&TRACE entwickelt: Hier erstellen Unternehmen für sich und ihre Produkte eine Digitale Identität, die sie eindeutig identifizierbar macht und von den Nutzern selbst verwaltet wird. Diese Identität kann jetzt mit Daten aus verschiedensten Quellen angereichert werden. So können zum Beispiel auch Drittparteien Informationen beisteuern und bearbeiten, was Sinn macht, wenn gemeinsam an einem Produkt gearbeitet wird. Das ist allerdings nur möglich, wenn zuvor der Zugriff durch den Verwalter der Digitalen Identität erteilt wurde. Eine solche Weitergabe von Zugriffsrechten ist auch über mehrere Ebenen möglich, um einen digitalen und effizienten Austausch in mehrstufigen Partnerbeziehungen (also zum Beispiel über mehrere Ebenen einer Lieferkette) zu ermöglichen. Außerdem können Herkunft und Echtheit der Daten von vertrauenswürdigen Dritten verifiziert werden.

In der Immobilienbranche kann TRUST&TRACE von Unternehmen genutzt werden, um benötigte Compliance-Informationen aus einem Netzwerk beteiligter Unternehmen zu beziehen. So werden Schritt für Schritt alle Objektdaten erhoben: vom Gebäudebau, über die Vermietung bis hin zu Verkauf und Abriss. Interoperabilität zwischen den verschiedenen IT-Systemen aller Parteien und ein schnelles Partner-Onboarding bilden die Basis für eine einfache und transparente Nutzung des Produktpasses – und ebnen damit den Weg für eine nachhaltigere und effizientere Immobilienwirtschaft.

Haben Sie Fragen, wie Sie TRUST&TRACE für Ihre Unternehmensbedürfnisse nutzen können? Dann schreiben Sie uns gerne über [email protected] und lassen Sie sich persönlich von unseren Produktexpertinnen und Produktexperten beraten – kostenlos und unverbindlich. Auf unserer Homepage finden Sie außerdem weitere Informationen zu TRUST&TRACE.

Milan Schlegel
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